Wie gut ist Wikipedia wirklich?

Nicht ohne Grund ist Wikipedia an Universitäten nicht als wissenschaftliche, zitierwürdige Quelle akzeptiert. Dennoch wird es gerade bei Schülern und Studierenden extrem häufig verwendet. In der Schule, genauer gesagt in der Oberstufe, siehe Studie aus Norwegen von Marte Blikstad-Balas, verwenden 88% der 168 Befragten 18-19 jährigen Wikipedia gerne, aber gleichzeitig sind sich 99% der Schüler bewusst, dass Informationen auf Wikipedia falsch sein könnten. Nach einer Studie aus Deutschland von Susanne Hillen und Prof. Dr. Monika Taddicken aus dem Jahr 2008 benutzen 80% der knapp 600 befragten Studenten Wikipedia mindestens ein mal im Monat. Doch auch hier würden bei widersprüchlichen Informationen 78% auf eine andere Enzyklopädie eher vertrauen, als auf Wikipedia.

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Dennoch herrscht unter den Studierenden wiederum eine starke Akzeptanz und tiefes Vertrauen in die Plattform Wikipedia. Das zeigt eine andere  Studie von 2008 mit über 4000 Befragten, von ihnen halten 52% der Nutzenden die Informationen für verlässlich bis sehr verlässlich. 88% halten sie für mittlmäßig bis sehr verlässlich. (Siehe Studie S.51)

Was sagen diese ganzen Zahlen aus?

Sie zeigen, dass trotz des Bewusstseins, Informationen könnten falsch oder manipuliert sein, Wikipedia eine sehr beliebte Anlaufstelle zur Informationssammlung für junge Menschen ist. Unter den Studierenden legt die Mehrheit Vertrauen in die Enzyklopädie, die jüngeren Jahrgänge hinterfragen fast ganzheitlich die Glaubwürdigkeit, sehen Wikipedia aber als leicht zu verwendendes Hilfmittel für ihre Schulaufgaben. “You get what you need” – Du bekommst was du brauchst, ist die Überschrift der anfänglich erwähnten Studie aus Norwegen.

Soweit zu den äußeren Verhältnissen über die Benutzung als Nachschlagewerk, nun zu den Verhältnissen innerhalb Wikipedias. Öfters hört man so etwas, wie: “Wikipedia ist keine gute Quelle, weil dort  jeder was reinschreiben kann.” Das ist nur halb richtig, da nicht jeder Nutzer die gleichen Rechte besitzt. Vereinfacht kann man sagen gibt es 4 Ebenen. Reguläre Benutzer, die Artikel bearbeiten und erstellen können, Sichter, die Artikel oder Änderungen einsehen und freigeben können, Administratoren, die Einträge direkt ändern und löschen können, sowie die Möglichkeit haben andere Benutzerkonten sperren oder auch zu löschen zu können und Bürokraten und andere spezielle Positionen, die für die Auswahl der Administratoren verantwortlich sind.

Derzeit gibt es 247 Administratoren in der deutschsprachigen Version die von nur 4 “Bürokraten” gewählt werden können. (https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:B%C3%BCrokraten und https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Liste_der_Administratoren). Vereinfacht gibt es noch zwei Kategorien darunter. Sichter, die Artikel einsehen und veröffenlichen können und den ganz normalen Benutzer, der tatsächlich jeder sein kann, der einen Internet Zugang besitzt.

Die Administratoren und entscheidenden oberen Ämter müssen übrigens nicht zwingend Akademiker sein und können im Prinzip nach belieben andere Beiträge und Benutzerkonten löschen, selbst wenn es sich um korrekte Informationen handelt. Diese Änderungen können sie überall vornehmen, ungeachtet in welchem Fachgebiet sie sich tatsächlich auskennen. So ist es schwer zu sagen ob etwas zugelassen und eben nicht zugelassen wird, weil es dem Admin nicht, oder eben doch in sein Bild passt, oder weil es tatsächlich korrekt oder inkorrekt ist. Zwar muss der Admin eine Begründung für sein handeln geben, jedoch kann auch hier getrickst werden (siehe Dokumentation unten)

Das sind feste Strukturen, an denen kein neuer Benutzer etwas rütteln kann, erst nach über 300 bearbeiteten Beiträgen in 2 Monaten kann ein neuer Nutzer erst zum passiven, dann zum aktiven Sichter aufsteigen.

Vereinfachtes_Benutzergruppenschema_dewiki.svg.png

Im Jahre 2007 begab sich ein Journalist in die Gemeinschaft der Wikipedia um sie von innen heraus zu studieren. Ein interessante Aussage zu den Machtverhältnissen machte er in einem Interview 2011 mit dem Online Forum Gulli:

Zu beobachten ist, dass sich die Machtstruktur in den letzten drei, vier Jahren weiter ausdifferenziert hat. Zu den eben erwähnten User-Ebenen kommt mittlerweile eine weitere: diejenigen, die ihre persönliche oder auch berufliche Biografie stark mit dem Wikipedia-Gedanken verknüpft haben, und die in der Öffentlichkeit als Wikipedia-Aktive wahrgenommen werden. Hier wird mittlerweile mit harten Bandagen operiert. So läuft aktuell ein Abwahlantrag gegen den derzeitigen Vorstand von Wikimedia Deutschland e. V.. Oberflächlicher Anlaß ist die Gründung einer gemeinnützigen GmbH, mittels der man eingesammelte Spenden effizienter an die US-amerikanische Foundation, den eigentlichen Wikipedia-Betreiber, abführen möchte.

 

Man kann also sagen die Macht zentriert sich in der Spitze, wie diese z.B. missbraucht werden kann zeigt eine interessante Dokumentation des unabhängigen Journalisten Ken Jebsen, die zusammengefasst Wikipedia als Quelle für naturwissenschaftliche Themen lobt, aber sobald es um sozialpolitische Gebiete geht sehr stark wertend wird.

Ein interessantes Beispiel ist der Artikel Kohlenstoffdioxid in der Erdatmosphäre, der gewissermaßen im Zwiespalt steht, zwischen Wissenschaft und Politik. Hier liest man im ersten Absatz überraschenderweise keine direkten Anschuldigungen über das von Menschenhand gemachte CO2 und dessen dramatischen Folgen, hier ist es etwas milder formuliert “Der jüngste drastische Anstieg der CO2-Konzentration ist gänzlich menschlichen Aktivitäten zuzuschreiben.” Dies ist, anders als man glauben könnte, unter Wissenschaftlern alles andere als klar und eindeutig. Lediglich in der Politik ist man sich einig, dass wir nun diese Schiene fahren werden. Mehr dazu im nächsten Blogbeitrag.

Hier der Link zu der Dokumentation:

Die dunkle Seite der Wikipedia

 

 

 

 

 

Wie gut ist Wikipedia wirklich?